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Geschrieben von: Beatrix Welling
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Samstag, 28. Juni 2008 um 00:00 |
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Tragen ist prima
Eines vorweg: Tragen ist prima! Aber warum? Mit dem Tragen des Säuglings entsprechen wir dem Grundbedürfnis unseres
Kindes nach ständiger Nähe und Körperkontakt. Tragen trägt bei zu einer stabilen Mutter-Kind-Bindung, zu emotionaler Stabilität und zur optimalen Förderung der körperlichen und geistigen Entwicklung des Kindes. Ein Grundbedürfnis? Ziehe ich mir damit nicht nur einen kleinen verwöhnten Tyrannen groß? Schauen wir uns den Menschen in seinem Ursprung an. Ein Neugeborenes weiß nicht, ob es in die Steinzeit oder ins Industriezeitalter hinein geboren wurde! Es reagiert entsprechend seinen angeborenen Instinkten
| Es werden immer mehr: Eltern, die den Kinderwagen stehen lassen und Ihre Baby tragen. Als ich selbst vor 10 Jahren meine erste Tochter im Tragetuch durch die Stadt trug, wurde ich noch oft von besorgten Passanten angesprochen: ob dass denn gut sei für mein Kind? Auch unser Kinderarzt hielt damals gar nichts von Tragehilfen. Ich ließ mich davon nicht beirren, fühlte ich doch, wie gut diese Nähe mir und meinem Kind tat. Aber auch heute noch gibt es viele Vorbehalte, sowohl bei Eltern als auch bei besorgten Großeltern und manchen Kinderärzten. Wird das Kind nicht zu sehr verwöhnt? Ist das nicht schädlich für ... seine körperliche Entwicklung |

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und Reflexen! Die Biologen unterscheiden beim Säugetier drei verschiedene Jungentypen: Zum einen ist da der Nesthocker. Er wird nackt geboren mit geschlossenen Augen und Ohren. Er weint, sobald er aus dem Nest fällt, weil nur das Nest ihm Sicherheit gibt. Er wartet geduldig im Nest, bis die Mutter von der Futtersuche zurückkehrt. Die Muttermilch ist fettreich und lange sättigend, damit das Junge längere Zeit ohne die Mutter sein kann. Typische Nesthocker sind zum Beispiel viele Nagetier und auch Katzen. Der Nestflüchter dagegen wird als Miniaturausgabe seiner Eltern geboren. Behaart und mit ausgereiften Sinnen ist er schon kurz nach der Geburt in der Lage, seiner Mutter und der Herde zu folgen. Die Muttermilch ist sehr eiweißhaltig, um einen schnellen Muskelaufbau zu gewährleisten. Er weint bei Trennung von der Mutter. Huf- und Herdentiere wie Giraffen und Pferde, aber auch Meerschweinchen sind Nestflüchter. Traglinge können sich nicht eigenständig fortbewegen. Ihre Sinne sind meist aufnahmebereit, jedoch noch nicht vollständig entwickelt. Wird der Tragling abgelegt, so weint er, damit die Mutter ihn aus seiner lebensgefährlichen Situation des Alleingelassenseins befreit. Die Muttermilch ist sehr kohlenhydratreich und somit sehr schnell verdaulich. Der Tragling ist darauf angewiesen, ständig bei der Mutter trinken zu können und von ihr mitgenommen zu werden. Koalas, Kängurus und viele Affenarten sind Traglinge.
Der Mensch ist ein Tragling
Nach dieser Einteilung ist der Mensch eindeutig ein Tragling. Darauf deuten auch seine angeborenen Reflexe wie die Anhock- Spreiz-Reaktion, der Greifreflex und der Mororeflex hin. Körperliche Hinweise sind die einander zugewandten Fußsohlen und O-Beine eines Neugeborenen. Nehmen wir das Kind als Tragling wahr, so erklären sich viele Reaktionen von selbst: Warum will es nicht alleine schlafen? Warum weint es in seinem Bettchen, auch wenn der Hunger gestillt und die Windel trocken ist? Es weint, sobald es abgelegt wird: Trennung von der Mutter bedeutet Lebensgefahr! Das Baby kann nicht unterscheiden, ob es sicher in einer Wiege liegt oder in freier Natur schutzlos abgelegt wurde. Es kann doch nicht schon wieder Hunger haben! Das Stillen ist doch noch keine drei Stunden her! Säuglinge stillen in kurzen Abständen. Als Tragling ist die Milchquelle jederzeit verfügbar, die Muttermilch ist wird schnell verdaut. Der Magen eines Babys ist nach zehn Tagen gerade mal so groß wie ein Tischtennisball! Rein entwicklungsbiologisch steht also fest: Getragen zu werden entspricht einem Grundbedürfnis des Babys. Ein Grundbedürfnis zu befriedigen hat nichts mit Verwöhnen zu tun, sondern stellt die adäquate und instinktive Reaktion der Eltern auf die Signale ihres Kindes dar. |
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Aktualisiert ( Dienstag, 07. Juli 2009 um 15:14 )
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