Start Schwang. & Geburt Wo bekomme ich mein Baby?
Wo bekomme ich mein Baby? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dorothea Baumgartner   
Montag, 28. April 2008 um 00:00

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Viele werdende Mütter wünschen sich eine "natürliche" Geburt. Aber nur wenige Frauen haben ein "Naturtalent" zum gebären und bringen ihre kinder so mal schnell in ein paar Stunden ohne große Mühe zur Welt. Die meißtesten brauchen Unterstützung. In den Hochglanzprospekten der Kliniken und deren Informationsveranstaltungen erfahren die Eltern viel über Wassergeburt, unterstützende Massagen, homöopathische Mittel, beruhigenden Zuspruch, begleitendes Veratmen der Wehen und liebevolles Umsorgen durch die Hebamme. Die Realität ...

im Kreißsaal der heutigen Zeit sieht aber leider anders aus: Hier dominiert die technische Überwachung. Das sieht dann häufug so aus: Die Frau wird allein gelassen, während Wehen unterstützende Mittel durch eine Infusionsapparatur tropen, die sie darin hindert, sich zu bewegen und zu entspannen. Zum Schluß findet sie sich in der Maikäferstellung auf dem Kreißbett wieder und dann heißt es: Dammschnitt - der doch nur bei wirklicher "Not"wendigkeit zum Einsatz kommen sollte. Gewünscht und vorgestellt hatte sich die Frau eine sanfte Geburt in der Badewanne.

Die "reglerechte " Geburt

Warum ist die Diskrepanz zwischen Versprechen und Wirklichkeit so groß? Muss das so sein? Um die Umstände zu begreifen, muss man weit ausholen und die Geburt aus der Sicht der Hebammen und ÄrztInnen beleuchten. Einmal ist da der überall so wichtige Faktor der Konkurenz und der Wirtschaftlichkeit. Man weiß, was die Frauen sich wünschen und was für Vorstellungen diese habe. Also versucht man, dem nach Außen hin zu entsprechen und verspricht erst einmal alles was gewünscht wird. Und wenn es dann soweit ist, hat man immer einen guten Grund es anders zu machen. Nämlich "Das Baby ist in Gefahr". Damit kann man bei den werdenden Müttern alle Eingriffe erklären. Das aber eine gesunde Schwangere ohne besondere Auffälligkeiten bei der Geburt außer kompetenten Beistand keine medizinische Hilfe braucht, hat Professor Alfred Rockenschaub von der Semmelweiß-Frauenklinik der Stadt Wien in seinem Buch "Gebären ohne Aberglauben" (Facultas Verlag) beschrieben. In 20 Jahren geburtshilfe von 1965 bis 1985 bei über 44.500 Geburten kam sein Geburtshilfeteam mit einer Interventionsrate von unter 5% aus. Außerdem war die Mütter- und Säuglingssterblichkeit wesentlich geringer als im restlichen Wien.

Der nächste Faktor ist das Qualitätsmanagement und die Richtlinien, an die sich die Hebammen undÄrztInnen zu halten habe. Diese Richtlinien kommen nur zum Teil durch gesicherte Statistiken und Studien zustande. Wie in anderen Bereichen geht man auch in der Geburtshilfe bei der Aufstellung von Regeln erst mal von Annahmen aus. Man arbeitet damit und wenn man Glück hat, werden diese Annahmen irgendwann überprüft
und gegebenenfalls korrigiert. Man nennt das dann „evidence based medicine“.
Der schwerwiegendste Faktor ist allerdings die Rechtssprechung. Stellt sich nach der Geburt heraus, dass das Kind irgendeine Beeinträchtigung hat, wird sofort überprüft, ob bei der Geburt alles „regelrecht“ abgelaufen ist. Stellt man eine Regelwidrigkeit fest, werden die Hebammen oder ÄrztInnen zur Verantwortung gezogen. Genau dort wird es schwierig Geburtshilfe zu leisten. Denn es gibt gar keine „regelrechten“ Geburten. Gebären ist so individuell wie es die Menschen sind.

Dass es trotz all dieser „Regelwidrigkeiten“ nur selten zu einem Unglück für Mutter oder Kind kommt, ist nicht unbedingt der technisierten, medizinischen Geburtshilfe zu verdanken, sondern in erster Linie den hygienischen Fortschritten, der besseren Gesundheit der Mütter und manchmal auch einem Antibiotikum. Ob das Kind erst durch die Geburt eine Schädigung erlitten hat oder ob nicht schon im Mutterleib die Ursache für die Erkrankung lag, bleibt in der Regel außen vor.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass sich die Hebammen und die ÄrztInnen schützen müssen und die Geburt nicht nach besten Wissen und Gewissen, sondern nach den auferlegten Regeln begleiten müssen. Denn nicht nur die Mütter haben Angst vor der Geburt und um die Gesundheit ihres Kindes, auch die BegleiterInnen haben Angst: Wenn ich klare Vorgaben habe, nach denen ich mich richten kann, kann ich einen großen Teil der Verantwortung bei einer Geburt abgeben und so der Angst vor Auseinandersetzungen mit dem Unglück der Eltern, der Rechtssprechung sowie den persönlichen Zweifel

Informieren, Prüfen, Fordern


Die Umkehr zu einer sinnvollen Geburtshilfe wird nur durch die Eltern möglich sein - indem sie sich informieren und fordern! Das hatte schon öfter Erfolg, z. B. für das „Rooming-in“, oder dass der Vater im Kreißsaal bzw. sogar seit einigen Jahren mit im OP beim Kaiserschnitt dabei sein darf. Hinterfragen Sie jeden Eingriff auf mögliche Konsequenzen und fragen Sie auch was denn passieren würde, wenn sie sich erst einmal dagegen
entscheiden würden. Sagen Sie, dass Sie die Verantwortung teilen möchten und nicht alleine der Hebamme oder dem Arzt oder Ärztin überlassen werden. Lehnen Sie z. B. einen Dammschnitt rundherum ab! Es gibt keine Studie, die einen Vorteil gegenüber dem Dammriss aufzeigt. Auch das frühe Abnabeln ist nicht von Vorteil für das Kind. Im Gegenteil: Gerade die Kinder, die noch Mühe mit dem Atmen haben, brauchen dringend die weitere Versorgung aus der Plazenta.
Um all diese Maßnahmen zu rechtfertigen, wird der pH-Wert nach der Geburt herangezogen (Blut aus der Nabelschnurwird nach der Geburt auf Sauerstoffgehalt und andere Werte geprüft). Er ist mit seinem statistischen Wert die „objektive“ Beurteilung,wie es ihrem Kind geht und wird als entscheidendes Kriterium vor Gericht herangezogen, völlig unabhängig davon, wie es ihrem Baby wirklich geht und was es wirklich braucht.
Dammschnitte und frühes Abnabeln erhöhen den pH-Wert, was wichtig ist für die Statistik und die Qualitätsbeurteilung der Klinik, aber nichts damit zu tun hat, ob das von der Natur so vorgesehen ist und ob es dadurch Ihnen und Ihrem Baby besser geht. Suchen Sie sich Hebammen undÄrztInnen schon während der Schwangerschaft nach diesen Kriterien aus: Stärken diese das Vertrauen in Sie, Ihr Baby und in diesen natürlichen Prozess? Prüfen Sie sie auf ihre Kompetenz und auf ihre Bereitschaft, auch dann Verantwortungzzu tragen, wenn es mal gegen den Strom geht.

Eine häufig gestellt Frage.Vor allem, wenn man in einem Ort wohnt, wo es mehrere Möglichkeiten zur Auswahl gibt. Dabei gilt es die Frage erst einmal umzuwandeln in "wie" möchte ich mein Baby bekommen. Und dann merkt man, das es daram geht, erst einmal Informationen zu sammeln um überhaupt entscheiden zu können.

Die nächstbeste Möglichkeit ist, Sie fragen Ihren Gynokologen. Da dessen Zeit jedoch sehr begrenzt ist, lassen sich viele Fragen nicht klären. Für die meisten Ärzte gibt es auch fast nur eine Antwort. Die Klinik „ihrer“ Wahl (natürlich die des Arztes).

Als Alternative bieten sich die Informationsabende der Kliniken für die Geburt mit anschließender Kreissaalbesichtigung. Dort erfahren Sie, dass alle Möglichkeiten zur natürlichen Geburt zur Verfügung stehen. Sie können wählen zwischen Wassergeburt, Hockergeburt, Vierfüßlerstand oder sogar im Stehen an der Sprossenwand oder am Seil hängend. Unterstützt werden Sie durch ein kompetentes Geburtsteam, das Ihnen rund um die Uhr mit sanften Massagen, Homöopathischen Mitteln, mit Einfühlungsvermögen und beruhigenden Worten zur Verfügung steht.

Da die meisten Frauen nur ein oder zwei Kinder gebären, können sie dieses Werbeangebot oft erst hinterfragen, wenn das Kind schon geboren ist. Leider sehr häufig nicht so, wie sie es sich vorgestellt haben. Die Realität im Kreissaal sieht anders aus als in den Broschüren versprochen.

Fast 30% der Frauen entbinden ihre Kinder mit dem Kaiserschnitt. Davon sind nur ein Bruchteil die häufig diskutierten Wunschkaiserschnitte. Häufiger handelt es sich um im Vorfeld geplante Kaiserschnitte um vermeintlich die Sicherheit von Muter oder Kind zu gewährleisten oder um Kaiserschnitte, die sich während der Geburt ergeben, um eine Gefahr von Mutter oder Kind abzuwenden.

Bei den Spontangeburten werden fast alle Frauen „unterstützt“ durch Weheneinleitungen, Herzton- und Wehenüberwachung, Unterstützungsinfusionen mit Wehenmitteln, Dammschnitten, und bei der Geburtsposition finden sich die Frauen doch zu 90% auf dem Rücken wieder. Natürlich nur zum Wohle des Kindes. Alle diese Eingriffe wären gerechtfertigt, wenn dadurch das Leben der Mutter oder des Kindes gerettet wird. Aber ist dem auch so? Kann man mit all diesen Maßnahmen bessere Zahlen für das Wohlsein von Mutter und Kind erreichen?

Professor Alfred Rockenschaub von der Semmelweis-Frauenklinik der Stadt Wien in Österreich hat eine Antwort gefunden. In 20 Jahren Geburtshilfe von 1965 bis 1985 bei über 44.500 Geburten kam sein Geburtshilfeteam mit einer Interventionsrate von unter 5% aus und außerdem war die Mütter- und Säuglingssterblichkeit wesentlich geringer als im restlichen Wien (nachzulesen im Buch „Gebären ohne Aberglaube“ von Alfred Rockenschaub, im Facultas Verlag).

Warum wird dann aber doch so häufig eingegriffen in diesen allernatürlichsten Prozess der Geburt? Warum lässt man die Frauen dann nicht einfach ihr Kind kriegen und greift nur dann ein, wenn es wirklich „not“wendig ist? Um das zu verstehen, muss erst das Umfeld der Geburtshilfe unter die Lupe genommen werden:

Auch in der Geburtshilfe, wie in anderen Bereichen geht man erst mal von Annahmen aus. Man arbeitet damit und wenn man Glück hat werden diese Annahmen irgendwann überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Man nennt das dann „evidence based medicine“. Das ist der eine Faktor der eine große Rolle spielt. Der nächste Faktor ist das Qualitätsmanagement. Dort werden die Annahmen und schon überprüften Vorgehensmaßnahmen festgelegt und jede Hebamme und jeder Geburtshelfer hat sich danach zu richten, möchte er nicht mit dem dritten Faktor der „Rechtssprechung“ in Konflikt geraten. Auch da muss man wissen, das es nicht unbedingt darauf ankommt, ob ein Kind schon im Mutterleib nicht gesund war. Hat das Baby während oder nach der Geburt Probleme, ist man immer auf der sicheren Seite, wenn man nach den vorgegebenen Richtlinien gehandelt hat. Der vierte Faktor ist die Statistik. Jede Statistik aus dem Kontext des Gesamten genommen, verliert seine Aussagekraft. Und da gebären eine höchst komplexe Angelegenheit ist, die so individuell wie die Menschen sind ist, lässt sie sich schwer in Statistiken pressen. Und trotzdem wird es ständig versucht. Warum eigentlich? Das hat wiederum mit dem Titelthema „Angst“ zu tun. Denn wenn ich klare Vorgaben habe, nach denen ich mich richten kann, kann ich eine großen Teil der Verantwortung die es ohne Frage bei einer Geburt, dem Übergang der nicht immer einfach gelingt, zu tragen gilt abgeben und die Angst vor Auseinandersetzungen mit dem Unglück der Eltern, der Rechtssprechung, der persönlichen Zweifel und Vorwürfe weitestgehend aus dem Weg gehen.

Und was bleibt ihnen liebe Eltern jetzt für ein Weg die Geburt nach eigenen Vorstellungen und trotzdem in Sicherheit zu gestalten? Übernehmen Sie einen Teil der Verantwortung und entlasten somit die Hebamme und den Arzt um ihnen bei Ihrer Geburt kompetent zur Seite zu stehen, im Notfall alles für Sie und das Baby zu tun was „not“wendig ist, aber ansonsten nicht eingreifen.

Dafür brauchen Sie

Aktualisiert ( Mittwoch, 17. Juni 2009 um 11:22 )
 
 



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