Start Teenies Hilfe - Mein kind ist in der Pubertät
Hilfe - Mein kind ist in der Pubertät PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dorothea Baumgartner   
Freitag, 30. Mai 2008 um 00:00

Die Jugend war schon immer schlimm – oder? Zumindest hat schon Sokrates bei den alten Griechen darüber geklagt das es mit der Jugend von Heute (Damals) ein schlimmes Ende nehmen wird. Jede Generation regt sich immer wieder neu über das beklagenswerte Verhalten der Jugendlichen auf. Schauen wir mal genauer hin, was die Jugendlichen bewegt.

Als Kind wird man in eine Welt und Kultur hineingeboren, an die man sich erst mal anpasst und die Umgebung so annimmt wie sie ist. Es gibt erst mal keine Möglichkeit die Werte zu hinterfragen oder zu reflektieren. Dies ändert sich dann in der Zeit des Erwachsen Werdens und der eigenen Persönlichkeitsbildung. In dieser Zeit stellen wir alles in Frage, zum großen Teil auch unbewusst. Vor allem die Idee der Lebensgestaltung für sich selbst. Man schaut sich um und hofft auf „Vorbilder“. Kann ich mir für mich so ein Leben vorstellen? Dadurch müssen wir uns die Frage stellen, was sehen diese jungen Menschen für eine Welt. Eine Lebensform, die Erwachsene geprägt haben. Wie viel Bock sollen Jugendliche haben auf Krieg? Auf Wohlstand, rein materieller Natur. Reichtum, der uns zu Sklaven von immer mehr Leistung macht, was uns immer öfter überfordert. Wir reagieren mit Resignation wenn wir nicht mehr mitkommen. Es ist doch nachvollziehbar, dass junge Menschen das Opfer sozialen Miteinanders als Preis für Wachstum zumindest mit gemischten Gefühlen betrachten. Was soll da wachsen und vor allem wohin?

Was wollen uns die Kinder eigentlich sagen wenn sie total genervt von uns, schnippische Antworten geben und sich zurückziehen in ihr Schneckenhaus. Oder auch aggressiv auf unsere gut gemeinten, sogar bemüht höflichen bewusst neutral gehaltenen Fragen reagieren? Ganz sicher erst einmal, dass wir nicht dieselbe Sprache sprechen. Und wie gehen wir dann damit um? Meistens sind wir auch beleidigt oder gekränkt, dass unser Bemühen wieder einmal auf Ablehnung stößt. Als Erwachsene könnten wir versuchen die Sprache der Jugendlichen zu entschlüsseln. Denn deren Reaktion zeigt eigentlich Enttäuschung über das nichtverstanden werden. Lernen wir achtsam mit den Gefühlen umzugehen, mit den eigenen und denen unserer Kinder. Dadurch ermöglichen wir Gespräche und Verstanden werden. Es liegt an uns nicht betroffen zu sein sondern zu erkunden, was wollen uns die Kinder denn eigentlich mitteilen. Im Trotzalter gab es ja auch schon mal die Phase der Ich-Findung, in der die Kinder auf alles und jedes mit Ablehnung und Geschrei reagierten. Es fällt uns allerdings leichter einem kleinem Kind das Verständnis entgegen zubringen als einem von uns unabhängig werdenden Jugendlichen. Da waren wir uns ziemlich sicher, das uns das Kind nicht ablehnt, sondern es einfach oft überfordert ist, sich für eine Möglichkeit entscheiden zu müssen. Der Schmerz über das Loslassen, für das "Entweder" "Oder" und nicht "Sowohl" als "Auch" wird von den Kleinen sehr stark empfunden und sie lernen erst im Laufe der Zeit, leichter mit Entscheidungen umzugehen. Ähnlich geht es unseren Kindern wenn sie erwachsen werden. Sich entscheiden zu müssen, aber für was?

Liegt es an den Jugendlichen, wenn sie den „Reizen“ von Drogen, Alkohol, Zigaretten und vielem mehr manchmal erliegen, wie viele Erwachsene auch? Wofür sind sie ein Ersatz? Was brauchen die Jugendlichen zur Erfüllung grundlegender Bedürfnisse? Wie sehen diese aus? Lieben und geliebt werden, ohne Wenn und Aber, egal ob die Schulnoten „stimmen“ oder sie sich nicht so verhalten wie wir es gerade von ihnen erwarten. Echte Zuneigung erfahren, dem anderen wohl gesonnen sein. Auch äußere Auffälligkeiten sind eine Prüfung für uns Erwachsene, nicht zu verurteilen, sondern verstehen zu lernen.

Es gibt Jugendliche , die sich sehr – auch kritisch – engagieren. Viele junge Menschen setzen sich mit Begeisterung für eine bessere Welt ein. Etwa für Frieden, für Menschen in ärmeren Regionen, für Tiere, für die Umwelt. Oder sie begeistern sich für Sport, vor allem für Mannschaftssport. Andere passen sich an die bestehenden Gesellschaftsstrukturen an und wieder andere protestieren, auch durch „Null-Bock“. Die Wege, auf denen uns – nicht nur in Deutschland – die Jugendlichen aufzurütteln versuchen, können gar nicht schrill und krass genug sein. Sie sind alle gleich wichtig für die Gesellschaft, weil sie uns auf unterschiedlichste Weise zeigen, wie sie versuchen, mit dieser Welt klarzukommen. Dafür können wir ihnen dankbar sein. Während des Erwachsen Werdens verlieren wir scheinbar unsere Sensibilität die Gesetze des Lebens wahrzunehmen und zu achten. Wir verlieren uns in unseren geschaffenen Strukturen und halten sie für die einzig mögliche Lebensform. Gefangen in unseren Schubladen, sollten wir es als Chance sehen uns mit den Jugendlichen hinzusetzen, immer wieder - und zu fragen - wie siehst Du das denn und was meinst Du können „wir“ tun, damit es ein bisschen besser wird. Denn das es besser werden soll steht doch außer Frage – oder?

Aktualisiert ( Mittwoch, 17. Juni 2009 um 11:06 )
 
 



Wie finden Sie Kunterbunt-online.com?
 

Empfohlene Links:

Banner
Banner
Banner